Wenn die Agentin schreibt ...

Ich mag meine Literaturagentin wirklich sehr. Seit sie vor einem knappen Jahr meine Vertretung bei der Litmedia Agency übernommen hat, stehe ich regelmäßig in Kontakt mit ihr.

Dabei nutze ich oft die Gelegenheit, mich mit ihr auszutauschen und mir Ratschläge von ihr zu holen. Wie gut, dass sie mir das gleich zu Beginn unserer Zusammenarbeit angeboten hat.

Nun hat sie mich gebeten, einen historischen Roman zu schreiben, der zwei Protagonisten hat und aus zwei verschiedenen Perspektiven geschrieben ist. Das ist Neuland für mich. Bisher schrieb ich immer aus einer Perspektive. Ich mag Herausforderungen. Doch nun wurde ich unsicher. Schaffe ich das? Kann ich ihren Ansprüchen genügen? Und meinen eigenen? Weil ich mir diese Fragen stellte, habe ich einfach beschlossen, ihr erst einmal nichts von dem zum Lesen zu geben, was ich bereits geschrieben habe. Aber: Die Buchmesse in Frankfurt steht an und meine Agentin will dort Kontakte für mich knüpfen. Dafür braucht sie natürlich etwas Vorzeigbares von mir. Panikattacken schüttelten mich, ich schrieb meine Kollegin an. Sollte die doch bitte wenigstens das Exposé lesen (das ich bereits Einemillionvierhundertelftausendmal verändert habe). Dann habe ich es ihr doch nicht geschickt. Weil ich unzufrieden war. Ich bin es immer noch. Aber es hilft nichts. Gestern habe ich dann den Romananfang an meine Agentin versendet. Gleichzeitig habe ich mich auch von dem Gedanken verabschiedet, dass sie damit irgendeinen Verlagslektoren hinterm Ofen hervor locken kann. Dann heute die Rückmeldung meiner Agentin:

Liebe Marion,
mir gefällt die Einleitung richtig, richtig gut! Wirklich. Beide haben eine klare Stimme, der Wechsel der Perspektiven ist dir sehr schön und natürlich gelungen. Toll.
Und den Arbeitstitel liebe ich! Poetisch aber stimmig. Super :) Ich freue mich auf mehr!

Ehm ja, ich sitze noch immer da mit roten Ohren und zitternden Händen. Ja-ha. Das Exposé mache ich jetzt auch fertig. Aber erst einmal freue ich mich, dass ich die Stimmen meiner Protagonisten gefunden habe und ihnen nun Leben einhauchen kann und darf. Ganz gleich, was dann in Frankfurt passiert (oder auch nicht): Ich konnte meine Agentin schonmal überzeugen. Das ist ein guter Anfang. Deshalb freue ich mich einfach darauf, den Roman weiterzuschreiben, zu Ende zu schreiben, in die Figuren zu schlüpfen und ihr Leben aufzuzeigen. Der Rest kommt von selbst. Und es gibt immer einen Weg. (Das hat schon meine Elise gesagt und die muss es ja wissen!).

Wenn mich also jemand sucht, ich schreibe: "Da wo du bist".