Noch ein Geburtstag

Noch ein Geburtstag ...

Einblick in meine Autorenarbeit:

Heute: Der andere Opa, dessen Geschichte irgendwann bestimmt auch zu Papier gebracht wird. Aber heute … ja, heute widme ich ihm den Blogbeitrag zum Geburtstag!

 

Heute wird er 94. Auf dem Foto ist er 17 und gerade darüber informiert worden, dass es jetzt an die Front geht. Eigentlich sollte er nach Afrika, doch der Zug wurde umgeleitet. Er brachte ihn in die heutige Ukraine und wenn er mir von seinen Einsätzen erzählt, wird mir immer wieder übel. Mit 1000 Mann sind sie gestartet. Die Mission hieß: "Durch die Prpjet-Sümpfe und die Russen zurückschlagen". 

Nach drei Tagen waren von den tausend Mann noch etwa 150 übrig. Die meisten anderen im Alter meines Opas und im Sumpf ertrunken.

"Weißt du, wenn neben dir plötzlich einer fällt, dir hilfesuchend die Hand entgegenreckt und die anderen brüllen "NEIN!, Sonst bist du auch weg!", da wird dir so dermaßen schrecklich zumute. Das kann man nicht erklären. Irgendwann haben wir kapiert, dass die Russen sich den Weg gekennzeichnet haben. Man konnte überall dort entlanggehen, wo die Weiden nach unten hingen. Die hatten die Russen nämlich heruntergebunden. So sind wir nachts vorwärts gekommen, denn tagsüber mussten wir uns in der Erde eingraben, um nicht von den Russen entdeckt zu werden …"

Wenn ich mir die Situation vorzustellen versuche, spüre ich den aufsteigenden Brechreiz. Was war das nur für eine irre Welt, in der Jugendliche sich gegenseitig in den Tod trieben? In der das Leben eines anderen nichts wert war und jeder nur für sich selbst und um sein Überleben kämpfte. Und all das unter dem Deckmantel der Verteidigung des eigenen Landes?

Lassen wir es nie wieder soweit kommen. Schützen wir unsere Kinder davor einen Sinn darin zu sehen, andere zu bekämpfen und lehren wir sie doch besser, das Miteinander zu stärken, sich für die Gemeinschaft zu engagieren und die Fehler eines anderen nicht immer gleich mit einer persönlichen Beleidigung gleichzusetzen. 

Nur wer Vergangenheit versteht, kann Zukunft gestalten!

Leben und feiern wir die Demokratie, die uns geschenkt ist. Und ich feiere heute zusätzlich meinen Opa und bin dankbar für jeden Tag, an dem er mir noch von damals berichten kann.

In diesem Sinne: Ein schönes Wochenende für Euch.